Lena Feldmann (*1988) lebt und arbeitet in Lohmar und Höhr-Grenzhausen. Ihr Werk kreist um verborgene Ordnungen: Verbindungen zwischen Mikro- und Makrokosmos, zwischen Zelle und Landschaft. Sie ist hingerissen von Momenten, die zu schnell vergehen – Lichtreflexe, Blasen, topografische Linien – und sucht in ihnen eine Form von Resonanz: nicht Ordnung als Kontrolle, sondern als leises Gefüge, das trägt. Das Besondere an ihrer Arbeit ist die Verbindung aus präziser Handwerkskompetenz und poetischer Materialforschung: Sie macht Flüchtiges sichtbar und haltbar, ohne ihm seine Leichtigkeit zu nehmen.
Schon mit 16 verließ sie ihr Elternhaus, um am Berufskolleg Rheinbach eine Ausbildung zur Kunstglaserin zu beginnen. Dort fand sie ihre natürliche Sprache: das genaue Sehen, das technische Zeichnen, das Entwerfen und Umsetzen eigener Ideen – mit einer Sorgfalt, die früh ausgezeichnet wurde. Neben dem Gesellenbrief erhielt sie für ihr Gesellenstück den Titel der 1. Kammersiegerin der Handwerkskammer Köln, wurde 1. Landessiegerin der Handwerkskammer Südwestfalen in NRW und erreichte den 2. Platz bei „Die Gute Form im Handwerk“ des Zentralverbands des Deutschen Handwerks in Berlin.
Trotz dieser Anerkennung spürte Feldmann, dass das reine Handwerk zwar Fundament ist, aber nicht ihr Ziel. Sie wollte den stillen Momenten nachgehen, in denen Struktur und Staunen zusammenfallen. 2009 begann sie deshalb das Studium der Freien Kunst Glas am Institut für Künstlerische Keramik und Glas (IKKG) in Höhr-Grenzhausen. Dort erforschte sie Glas bis an seine Grenzen und entwickelte eigene Glasverschmelzungstechniken, die ihr bereits während des Studiums internationale Aufmerksamkeit einbrachten: In ihren Arbeiten konserviert sie die ephemere Struktur von Schaum und eröffnet einen Blick in komplexe, sonst kaum wahrnehmbare Gefüge.
Neben Glas arbeitet Lena Feldmann auch mit Aquarell, Fotografie und Linoldruck. Eine weitere ungewöhnliche Technik ist das Schnitzen topografischer Landkarten in mehrfach lackierte Holzplatten. Inspiriert von Druckplatten des Linolschnitts erzeugt sie Dreidimensionalität über Licht und Schatten in den Schnittkanten – Reliefs, in denen Orientierung und Bewegung gleichzeitig spürbar werden. So entstehen Arbeiten, die wie Karten des Wirklichen und zugleich wie Karten eines inneren Raums wirken: präzise, poetisch, aufmerksam.
Ihre Arbeit wurde vielfach ausgezeichnet, darunter das Alexander-Tutsek-Stipendium (2023), der AKM-Förderpreis (2023), das August-Müller-Stipendium (2017), der Preis des Corning Museum of Glass beim Stanislav Libenský Award (2015) sowie der 1. Preis des 6. Immenhäuser Glaspreises (2015). Bereits 2013 erhielt sie den 3. Preis beim 1. Hadamarer Glaspreis sowie ein PROMOS-Stipendium der Hochschule Koblenz. Arbeiten von Lena Feldmann befinden sich in öffentlichen Sammlungen, darunter der Ernsting Stiftung Coesfeld-Lette, dem Glasmuseum Immenhausen, der Kunstsammlung des Landes Rheinland-Pfalz und der Kunstsammlung der Veste Coburg.
Da Feldmann unablässig an neuen Formen, Materialien und Konzepten arbeitet, bleibt ihr Werk in Bewegung. Ihre Arbeiten sind Einladungen zum achtsamen Sehen – dorthin, wo das Kleine im Großen wieder auftaucht und Staunen zum Ursprung von Erkenntnis wird.