In ihreren Monotypien M. o. M. – kurz fĂ¼r Micro oder Macro – und in der neuen Werkreihe Sternenstaub beschäftigt sich Lena Feldmann mit der Ambivalenz von MaĂŸstäben und Perspektiven. Das runde Bildzentrum zeigt ein komplexes Geflecht aus gefalteten, fast kristallinen Strukturen in tiefem Nachtblau. Die feinen Schattierungen, Faltungen und Lichtkontraste erinnern sowohl an mikroskopische Zellstrukturen als auch an geologische Formationen oder ferne Himmelskörper. Gerade diese Unbestimmtheit ist zentral fĂ¼r das Werk: Es evoziert die Frage, ob wir in eine mikroskopische Welt eintauchen oder einen kosmischen Raum betrachten.
Feldmanns Faszination fĂ¼r Strukturen, die universell erscheinen und sich jeder eindeutigen Verortung entziehen, wird hier formal und inhaltlich erfahrbar. Die Monotypie, als einmaliger Abdruck ohne Wiederholbarkeit, verstärkt diesen Eindruck des flĂ¼chtigen, einzigartigen Moments. So entsteht ein Bildraum, der sich zwischen wissenschaftlicher Beobachtung und ästhetischer Imagination bewegt – offen fĂ¼r individuelle Assoziationen und zugleich präzise in seiner formalen Umsetzung. M. o. M. ist ein stilles Plädoyer fĂ¼r das Staunen Ă¼ber die Welt – egal, aus welcher Perspektive wir sie betrachten.